Die ersten verzierten ländlichen Möbel lassen sich im oberbayrischen Raum kurz nach 1600 nachweisen. Beeinflußt von der Möbelkunst mit Intarsienarbeiten, begann die Landbevölkerung weiter Landstriche Europas ebenfalls ihre Möbelstücke zu verzieren bzw. solche Stücke in Auftrag zu geben. Da aber ein Schmuck mit Intarsien die Finanzen der Bauern bei weitem überstiegen hätten, versuchten die Dorfschreiner diese Einlegearbeiten mit mehr oder minder großem Geschick durch malerische Mittel zu imitieren. Zunächst wurden Symbole verwendet wie die Rosette, das Symbol der Sonne, das Herz Symbol der Liebe oder den Stern, der fur das Wachstum stand. Dann tauchten die ersten Blumendekore auf. Das "Lieblingskind" der Bauernmalerei ist unbestritten die Rose, die in mannigfachsten Formen auftritt. Die einfachste darunter ist die Tölzer Rose. Diese war und ist das Sinnbild der Liebe und der Braut, weshalb sie mit Vorliebe auf das Heiratsgut gemalt wurde. In den katholischen Landschaften, etwa dem deutschen Süden, findet man figürliche religiöse Motive. Um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts erlebte die Bauernmalerei ihre Blütezeit.
Die meisten Möbel wurden anläßlich der Eheschließung, wie Jahreszahlen und Namen erkennen lassen, gefertigt. Nicht nur der bäuerliche Stand, sondern auch ländliche Honorationen waren die Abnehmer. Weder vom Besitzer und noch wesentlicher wenig vom Hersteller her gesehen, ist also der Ausdruck "Bauernmöbel" korrekt. Doch ist er zu einem festen Begriff geworden, weil er Tatsachen der geschichtlichen Existenz mit dem emotionalen Hintergrund einer Bewunderung der Volkskunst vereinigt.